Hallo Marco, Hallo Sandy,
Auf das heutige Interview freue ich mich besonders! Zwei Persönlichkeiten der deutschen Rallycross Meisterschaft. Nicht jedoch, weil man euch als Fahrer, Funktionär oder Serienverantwortliche kennt. Nein – seit vielen Jahren seid ihr an der Strecke und insbesondere am Start für reibungslose Abläufe zuständig. Viele Rallycross-Strecken der Welt habt ihr bereits als Fans bereist und nicht zuletzt kommentierte Marco auch als Serien-Streckensprecher die Rennen der DRX der letzten Jahre.
Nun seid ihr diejenigen, die selbst hinter das Steuer greifen wollen. Was hat euch diesen Entschluss fassen lassen?
Es war eine ziemlich aufregende Entwicklung! Der Kontakt zu Jonas Motorsport, speziell zu Sven und Mats Jonas, war letztendlich der entscheidende Faktor. Alles begann natürlich mit dem ersten Rennen von Marco im Oktober in der DRX. Ich zitiere mehrere Fahrer aus der DRX: „Wenn die Nadel einmal sitzt, dann kann man nicht mehr anders, als dauerhaft hinter dem Steuer zu sitzen”.
Dazu kam, dass wir vom MSC Schlüchtern zum Jahresende eingeladen waren. Bei diesem Mitgliedertag gab es auch die Möglichkeit für Sandy, das erste Mal überhaupt in einem Rallycross Fahrzeug zu testen. Das waren tolle Erfahrungen und wir haben schnell gemerkt, dass wir uns ernsthafte Gedanken machen sollten, ein eigenes Fahrzeug zu kaufen. Das Angebot von Sven war dann einfach zu verlockend, um es abzulehnen. Es ist die perfekte Gelegenheit. Manchmal muss man dann einfach zupacken.
Ihr geht in einem Citroen C2 in der DRXN2 an den Start. Das Fahrzeug ist bereits bekannt und hat nun schon ein paar Jahre in der noch neuen Klasse auf dem Buckel. Zuerst mit Nico Acht am Steuer, später mit Mats (und Sven) Jonas. Warum habt ihr euch für das ehemalige Fahrzeug von Jonas Motorsport entschieden?
Uns war schnell klar, dass die Klasse der DRXN2 die perfekte Klasse für uns sein wird. Das Auto hat, mit Mats am Steuer, in der letzten Saison gezeigt, was es kann. Zudem kennen wir natürlich auch Peter Cordes und Philipp Knof, die das Auto vor Jahren aufgebaut haben und immer noch in der DRX vertreten sind. Die Wege und der damit verbundene Erfahrungsaustausch über das Auto sind also in alle Richtungen sehr kurz.

Marco brauche ich gar nicht fragen – seit Jahren betonst du als Streckensprecher, wie geil du die engen Rennen in der Klasse der DRXN2 (ehemals Rookies) findest. Hast du, Sandy, die gleiche Meinung dazu und was reizt euch besonders hier an den Start zu gehen?
Es ist wirklich eine sehr spannende Klasse. Oft stand ich am Start und habe die Leistung und auch die Fähigkeiten der Autos unterschätzt. Jetzt, wo ich selber mal ein Fahrzeug der N2 gefahren bin, weiß ich, wie viel Motorsport in diesen Autos steckt. Zudem ist es eine perfekte Einsteigerklasse. Es ist mit “recht wenig” Geld und Aufwand händelbar. Die Saison soll für uns der Einstieg sein und gleichzeitig auch ein bisschen den Weg zeigen, wo es für uns noch hingehen kann.
Die DRXN2 ist zwar familiär neben der Rennstrecke, doch geht es auch sehr ruppig auf der Strecke zu. Nicht zuletzt gewann die Klasse auch aufgrund spektakulärer Unfälle das Interesse der Zuschauer. Wie groß ist der Respekt, selbst in eine solche Situation zu kommen?
In jeder Sportart gibt es die Gefahr, sich zu verletzen oder sein Sportgerät zu zerstören. Ich glaube, das Wort „Respekt“ trifft es ganz gut. Der sollte immer da sein. Aber wir glauben, dass wir beide keine Angst haben müssen, denn gerade die Sicherheitsbestimmungen in der DRX haben insbesondere auch bei diesen spektakulären Unfällen gezeigt, dass die Autos sicher sind.
Apropos „Schäden“, wer betreut euer Fahrzeug und wer legt Hand daran an?
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir müssen beide ehrlich zu uns sein und sagen, dass wir beide keine Schrauber sind und nur bedingt ausreichende Kenntnisse von der Technik haben. Deswegen freuen wir uns sehr, dass wir im familiären Umfeld Sandys Schwager, Basti, für uns gewinnen konnten. Gleichzeitig haben wir aber auch von Jonas Motorsport die Zusicherung des technischen Supports bekommen.

Marco konnte bereits im Team Knof Motorsport ein Rennen auf eurer Heimstrecke – dem Estering – unter die Räder nehmen. Was hast du hier gelernt und was kannst du Sandy schon beibringen?
Also ich glaube, dass ich noch weit weg davon bin Sandy konkrete Rallycross-Erfahrungen weitergeben zu können. Ich habe natürlich schon ausführlich über meinen ersten DRX-Start erzählt, aber da geht es eher darum, wie ich mit der Aufregung und den ersten Eindrücken umgegangen bin. Mir persönlich hat das Coaching von Philipp Knof sehr viel gebracht. Zwischen uns wird es auch in dieser Saison einigen Austausch geben.

Der erste Blick sollte nicht auf die Zeiten und auf die Konkurrenz gehen, sondern erstmal geht es darum, seine eigenen Grenzen zu finden und diese langsam aber sicher weiter auszureizen. Wenn man bei seinen ersten Rennen mit einem guten Gefühl aussteigt, dann ist man sowieso schon der Sieger. Alles andere wäre am Anfang völliger Quatsch!
Welche Rennsport-Erfahrung bringt ihr ansonsten mit?
Wir sind beide bisher in der Freizeit Kart und Sim-Racing gefahren
Wie wird die Cockpit-Teilung bei Double-, aber auch bei Single-Headern aussehen? Nehmt ihr die gesamte Saison unter die Räder? Und wer wird welches Rennen bestreiten?
Die Aufteilung planen wir wie folgt: Marco Lauf 1, Sandy Lauf 2, Sandy Lauf 3, Marco Lauf 4&5, Sandy Lauf 6, Marco Lauf 7, Sandy Lauf 8, Marco Lauf 9.
Welchen Unterschied wird es mental, aber auch im Vergleich mit den anderen Fahrern machen, den ersten bzw. den zweiten Renntag zu bestreiten? Haben die anderen Fahrer nicht einen Vorteil, wenn sie beide Renntage fahren? Wie harmoniert die Cockpit-Teilung mit euren Saisonzielen?
Wir haben das Glück bereits auf allen Strecken außer Gründau kleine Erfahrungen gesammelt zu haben. Sandy hat in Maasmechelen getestet, zusammen testen wir noch sowohl in Valkenswaard als auch auf dem Estering. Dazu kommen unsere ersten Runden auf dem Ewald-Pauli-Ring Ende letzten Jahres.
Wir wissen, dass es gerade am Anfang wichtig ist, so viel wie möglich im Auto zu sitzen und Erfahrungen zu sammeln. Durch unsere Regelung, sich das Auto zu teilen, können wir nicht um die Meisterschaft fahren. Gleichzeitig wollen wir aber immer auch ein Wörtchen um das Tages-Podium mitreden.
Ansonsten wollen wir diese Saison vorallem Erfahrungen sammeln, als Team zusammenwachsen, uns gegenseitig unterstützen und Rallycross und die DRX bekannter und in der Breite attraktiver machen
Lange Jahre standet ihr auf der anderen Seite der Startlinie und habt Fehlstarts und vieles mehr erlebt. Jetzt übernehmen eure Nachfolger den Job an der Startlinie. Wie groß ist die Angst vor einem Fehlstart auf der heimischen Strecke vor bekannten Gesichtern?
Der Start ist beim Rallycross eine der wichtigsten Komponenten. Wir sehen es eher als Vorteil, dass wir das Prozedere in und auswendig kennen und genau wissen, worauf es ankommt. Angst gibt es in diesem Sinne nicht. Es gibt nur Herausforderungen mit denen wir wissen umzugehen
Können wir einen Gaststart von Topi Heikkinen erwarten?
Den Hintergrund müssen wir ein wenig erläutern:
Alles begann im Jahr 2015, als wir noch als Zuschauer bei der WM zu Gast waren. Dort haben wir Topi im Fahrerlager kennengelernt und uns Caps von ihm gekauft. Drei Wochen später sind wir mit diesen Caps nach Höljes gefahren und er erkannte uns wieder. Dies war der Beginn einer Fan-Freundschaft namens #thegermanboys57. In den kommenden Jahren sind wir nach Mettet, Barcelona, Höljes und Riga geflogen und haben ihn stets unterstützt. Das Highlight war dann 2017 unser Heimrennen auf dem Estering. Dort fuhr Topi auf den 3. Platz und gewann den “Monster Energy Super Charge Award”. Der Award ging an den Fahrer mit der schnellsten Reaktionszeit am Start. Nach dem Event schenkte er uns den Pokal für unsere gute Arbeit als Start Marshals. Heute steht der Pokal in unserer Vitrine in der Halle.Wir haben immer noch Kontakt zu ihm und haben ihn auch schon über unser Vorhaben, in der DRX zu fahren, informiert. Vielleicht bekommen wir noch etwas hin?!
Marco, nun noch mal eine andere Frage: Du bist in der Marketing- und Medienbranche beheimatet. Ende letzten Jahres habt ihr einen tollen Image-Film zum Estering und dem Team darum herum veröffentlicht. Wie wichtig ist die Vermarktung, insbesondere auf Social Media, für euch und was versprecht ihr euch davon?
Wir wissen, dass Rallycross gerade in Deutschland eine Randsportart ist. Gleichzeitig stelle ich fest, dass Menschen, die es an die Rennstrecke schaffen, begeistert von dem Sport sind und wiederkommen. Der Sport und die Serie müssen es also schaffen, die Motorsport begeisterten Fans aus den jeweiligen Regionen an die Strecke zu locken. Wir müssen also nicht nur in der Serie und an den Regularien arbeiten, sondern auch um die Serie herum. Da geht es um Sponsoren, aber auch um Öffentlichkeitsarbeit. Jedes Medium sollte hier genutzt werden.
Das haben auch wir uns auf die Fahne geschrieben und werden gerade bei Instagram sehr aktiv sein.
Diese Saison übernimmt mit dem ADAC Weser-Ems ein neuer Promoter und wird neue Akzente setzen. Würdest du dir im Bezug auf die Vermarktung etwas wünschen?
Unser Wunsch ist es, dass den Fahrern, die den Sport betreiben, zugehört wird. Es gibt viele Rallycross-Familien in der Serie, die schon alles gesehen haben. Sie wissen, was gut und was weniger gut funktioniert hat. Wir sehen es auch bei größeren Serien als der DRX, was passiert, wenn man der Mitte des Sports nicht mehr zuhört und auf Krampf Dinge in die falsche Richtung entwickeln möchte.
Und der Rallycross Sport im Allgemeinen? Wie ist das Vermarktungspotential des Sports und was würdet ihr euch wünschen, damit der Sport einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wird?
Wir glauben, Rallycross alleine wird in Zukunft nicht mehr funktionieren. Das sehen wir auch in den ganz großen Serien wie der F1 oder der DTM. Es ist einfach so, dass der Sport nicht mehr alleine im Fokus stehen kann. Es geht darum, ein Rahmenprogramm um das Hauptevent zu bauen. Das zieht die Menschen an. Gleichzeitig ist das natürlich mit hohen Kosten verbunden.
Zudem sehen wir die Möglichkeit, viel enger mit den benachbarten Verbänden zusammenzuarbeiten. Ob es die Niederländer, Belgier oder Dänen sind. Zuletzt finden wir auch eine Verbindung z.B. zwischen Autocross und Rallycross reizvoll.
Ich denke an dieser Stelle bleibt erst einmal nicht mehr viel zu sagen! Ich danke nochmals für eure Zeit und wünsche euch für eure erste Saison in der deutschen Rallycross Meisterschaft viel Erfolg!
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